Donnerstag, Dezember 08, 2005

Östliche Tendenzen

Olli hat mich auf ein Tool gebracht, mit dem man eine Karte generieren kann, die zeigt wo man schon überall gewesen ist. Bei mir ergeben sich deutliche Tendenzen in Richtung Osten:


Das Tool gibt es hier.

Sonntag, November 06, 2005

Kaytur...

...ist der unbeliebte Name unseres beliebten Multiplayer-Spieles, das nun schon vor über fünf Jahren das Licht der Welt erblickt hat:
http://145.253.159.179
Vielen Dank noch einmal an alle, die damals mitgebaut haben!
Leider funktioniert das Spiel im Moment nur mit Java 1.4.2_10, warum auch immer - verwendet man Java 5 fehlen sämtliche Grafiken.
Ich werde versuchen, in den nächsten Wochen einmal in die Sourcen zu schauen, vielleicht finde ich ja einen Hinweis. Damals habe ich ja alles noch mit Java 1.1 gebaut und in der Zwischenzeit hat sich ja einiges getan.

Dienstag, September 06, 2005

In China...

...ist die Welt noch in Ordnung, denn es regiert nicht nur noch immer die kommunistische Partei, sondern auch die Mauer steht noch:
Ich sitze jetzt zwar schon wieder in Hamburg in meiner Küche, aber den Muskelkater vom Erklimmen der Mauer spüre ich noch recht deutlich. Ein in der Tat recht merkwürdiges Gefühl, denn üblicherweise bringt man ja andere Andenken aus fernen Ländern mit.

Mein letzter Arbeitstag in Peking war bereits letzten Donnerstag, so dass ich ein verlängertes Wochenende hatte, um Peking und Umgebung noch etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Den Freitag durfte ich noch selbst gestalten, für Samstag und Sonntag hatte sich bereits der Chef der Niederlassung und mein Projektleiter angemeldet, um mir die kulturellen Highlights zu präsentieren.

Glückstag

Bereits am Flughafen in Peking händigte mir eine freundliche Asiatin von British Airways ein Papier aus, dem zu entnehmen war, dass der gastronomische Service für Langstreckenflüge noch immer nicht wiederhergestellt sei. Auch wenn ich mir einbilde, für Luxus wenig empfänglich zu sein, machte sich doch eine gewisse Enttäuschung breit.
Wann habe ich schon einmal die Möglichkeit, mich in der Business-Class verwöhnen zu lassen?
Die Maschine von Peking nach London war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Ich hatte es allerdings auch nicht anders erwartet, denn bereits bei der Buchung hatte es Probleme gegeben, für diesen Montag noch einen Flug zu bekommen.
Für all diejenigen, die noch nie in der Business-Class geflogen sind sei gesagt, dass sich die Bestuhlung im Gegensatz zur Holzklasse recht komfortabel gestaltet: Die Sessel lassen sich per Knopfdruck in ein Bett verwandeln, allerdings sind sie im Gegensatz zur First-Class aus Effizienzgründen versetzt angeordnet, so dass man dem Nachbarn von Angesicht zu Angesicht gegenüber sitzt.
Kurz nach dem Start hatte mein Sitznachbar auch schon die Details der Bedienung des Sessels herausgefunden und begann alle Möglichkeiten auszuloten. Ich entspannte mich derweil und brachte den Sessel in eine bettähnliche Konfiguration. Als ich mit geschlossenen Augen vor mich hindämmerte, spürte ich plötzlich an meinem rechten Arm etwas Kaltes, Feuchtes. Als dieses unangenehme Gefühl auch nach etlichen Augenblicken nicht nachlassen wollte, öffnete ich die Augen und entnahm den hektischen Bewegungen meines Sitznachbarn, dass er seinen Wasserbecher auf mich und meinen geliebten Sessel verschüttet hatte.
Kurze Zeit später war auch schon eine der Stewardessen zur Stelle und begann meinen Sitz notdürftig zu trocknen und eine zusätzliche Decke auf den Sitz zu legen, damit ich es auch weiterhin bequem haben möge.
Ich versicherte allen Beteiligten soweit es mir mit meinen begrenzten Fähigkeiten der englischen Sprache eben möglich war, dass alles halb so wild sei. Ich begann allerdings darüber nachzudenken, wie es meinem Nachbarn wohl gelungen war, seinen Becher so zu platzieren, dass er auf meinen Sitz hatte fallen können. Denn das Abstelltablettchen für die Becher ist derart angebracht, dass eigentlich gar keine theoretische Möglichkeit besteht, dass er so mir nichts dir nichts auf den Nachbarsitz gelangen kann. Ich kam also zu dem Schluss, dass er den Becher wohl auf die Armlehne gestellt haben musste.
Doch auch die Armlehne ist recht breit und daneben befindet sich eine kleine Trennwand, so dass es eigentlich auch hier schwierig schien, den Becher bin zum Sitznachbarn zu befördern. Ich wollte die Gedankenspiele schon beenden, beschloss dann aber, meinen Becher probehalber auch einmal auf die Armlehne zu stellen. Völlig problemlos. Nicht der Hauch einer Gefahr für den Nachbarn.
Ich stellte meine Gedankenexperimente ein und lehnte mich wieder zurück in den Sessel. Der Sitz war schon wieder so gut wie trocken.
Mein anderer Nachbar zur linken Seite des Ganges war gerade damit beschäftigt, sich seiner Schuhe zu entledigen und diese in einem Fach im Stuhl zu verstauen. Dieses Fach hatte ich noch gar nicht entdeckt und so begann auch ich, meine Turnschuhe auszuziehen und diese in das Fach zu quetschen. Als ich mich nach dieser erfolgreichen Prozedur wieder in meinen Sessel zurücklehnte, muss ich es auf irgendeine mir bis zum jetzigen Augenblick rätselhafte Weise geschafft haben, meinen beinahe vollständig gefüllten Wasserbecher umzustoßen und zwar in der Art, dass er sich komplett auf meinen dösenden Sitznachbarn ergoss. Das Blut schoss mir in den Kopf und es dauerte auch nicht lange, bis er das Unheil bemerkte.
Ich entschuldigte mich vielmals, aber die Art seines Blicks schien mir ein wenig unheimlich, denn es lag nicht etwa Vergebung darin, sondern eine Art von Ärger, als hätte ich den Becher absichtlich umgestoßen.
Die gleiche Stewardess, die auch schon die erste Situation professionell gelöst hatte, machte sich nun daran, den Sessel meines Nachbarn trockenzulegen. Sie versuchte, dem ganzen eine humoristische Note zu verleihen, mein Nachbar aber blieb verstimmt. Er bestellt sich ein Bier und ich orderte einen Rotwein, um mich wieder ein wenig zu beruhigen.
Die Stewardess brachte uns die Getränke und ich wollte dieses Mal auf Nummer sicher gehen und klappte den großen Tisch für das Essen auf, der in der Armlehne untergebracht ist, um den Wein dort sicher abzustellen. Kurze Zeit später wurde das dürftige Bordessen gebracht und ich begann, nun auch den Bildschirm in Position zu bringen, um das angekündigte Unterhaltungsprogramm ab Bord nicht zu verpassen. Der Bildschirm klemmte allerdings ein wenig und als ich ihn dann endlich mit einem Ruck aus der Parkposition löste, stieß ich derart unglücklich mit meinem Ellenbogen gegen meine Weinflasche auf dem Tisch, dass sie nach kurzem Trudeln kopfüber auf dem teuren Anzug meines Nachbarn zum liegen kam. Ich hatte die Flasche leider nicht zugeschraubt und so hatte sich bereits eine erkleckliche Menge auf den Anzug und das weiße Hemd ergossen, bevor ich die Flasche unter Kontrolle bekam. Mein Sitznachbar sprang entsetzt hoch und starrte abwechselnd auf seinen Anzug und auf mich. Mir hatte es die Sprache verschlagen und ich brachte lediglich ein paar zittrige Gesten der Unschuld zum Ausdruck und deutete auf den Bildschirm, doch mein Nachbar war schwer wieder zu beruhigen. Er tobte zur Bordtoilette um zu retten, was zu retten war, doch auch als er nach etlichen Minuten wieder zum Vorschein kam, sah der Anzug nun eher noch schlimmer aus und er schien sich auch kaum beruhigt zu haben. Wutschnaubend setzte er sich wieder auf seinen Sitz und trank von seinem Bier. Ich schob den Bildschirm verschämt zurück in die Ausgangsposition und versuchte mich zu entspannen und mich mit meinem Auftritt als Bordtrottel zu arrangieren. Ich brachte den Sitz wieder in Schlafposition und blieb regungslos, um kein weiteres Unheil anzurichten.
Kurz nachdem ich die Augen geschlossen hatte und den Himmel, dem wir ja doch recht nahe waren, um Vergebung gebeten hatte, spürte ich, wie etwas auf meiner Brust landete und das Bier meines Nachbarn ergoss sich über meinen Oberkörper. Er sah triumphierend zu mir herüber und heuchelte eine Geste der Unschuld. Ich war ein wenig perplex, denn es war offensichtlich, dass er den Becher mit Absicht zu mir herübergeworfen hatte. Die Stewardess kam herbei und sah sich die ganze Bescherung ungläubig an. Ich weiß nicht, wie oft ihr derartiges in ihrem Berufsleben schon widerfahren war, aber sie sah mich an für eine Weile an und sagte dann, heute sei wohl nicht mein Glückstag.
Ich erwiderte, so etwas könne ja passieren und ich hätte noch ein trockenes Kleidungsstück im Handgepäck. Mein Nachbar lächelte zufrieden und bestellte sich noch ein Bier. Ich orderte noch eine Flasche Wein nachdem ich der Stewardess versichert hatte, dieses Mal besonders aufzupassen. Das Grinsen meines Nachbarn sorgte aber dafür, dass ein Gefühl in mir aufstieg, das ich bisher noch gar nicht an mir kennen gelernt hatte und ich auf Rache sann.
Als die Stewardess mit dem Tablett, auf dem sich die gefüllten Becher befanden zu uns zurückkehrte, schob ich mit dem Fuß mein Handgepäck, das ich vor meinem Vordersitz deponiert hatte soweit auf den Gang, dass sie mit einem Fuß hinterhakte und ins Stolpern geriet. Mit deutlicher Panik in den Augen sah ich sie wie in Zeitlupe auf mich zu stürzen und duckte mich gerade noch rechtzeitig, so dass das Tablett bis zu meinem Nachbarn flog und er die Ladung der beiden Becher abbekam. Er tobte vor Wut und brüllte die Stewardess an, sie solle neue Getränke holen. Die arme völlig verschüchterte Person wehrte sich kurz, um schlimmeres zu vermeiden, brachte dann aber ein neues Bier. Mein Nachbar stürzte den halben Becher herunter, und ging anschließen mit dem Becher zur Toilette und verschwand für einige Minuten.
Meine Aufregung hatte sich mit jeder Flasche Wein die ich trank ein wenig gelegt und ich begann, mich nun eher wegen dieser skurrilen Situation innerlich zu amüsieren. Allerdings merkte ich auch, dass ich wohl in der Zwischenzeit deutlich zuviel Wein getrunken hatte, denn eine Übelkeit stieg in mir auf, die mich jede kleine Turbulenz in die das Flugzeug geriet, in der Magengegend spüren ließ.
Als mein Nachbar auch nach einigen Minuten noch nicht zurückgekehrt war, keimte in mir schon die Hoffnung auf, er würde sich wieder einkriegen, aber just in diesem Augenblick flog die Tür der Toilette auf und ich stellte fest, dass diese Hoffnung unbegründet war. Sein Becher war wieder randvoll und mir schwante nichts Gutes. Er gab sich auch keinerlei Mühe, seine Absicht zu verschleiern, kam direkt bis zu mir und kippte den Inhalt seines Bechers über mich aus. Anschließend setzte er sich schnaufend in seinen Sessel als hätte er eine große sportliche Leistung vollbracht.
Der säuerliche Geruch von Bier und Urin, der nun aufstieg war nun aber auch für mich zuviel und ich konnte das Gefühl der Übelkeit nicht weiter zurückhalten: Ich erbrach einen erklecklichen Schwall von Rotwein und Bordessen in den Schoß meines Mitreisenden.

Das Ganze hat sich so natürlich nicht zugetragen, aber langweilige Langstreckenflüge führen eben dazu, dass man sich den Flug ein wenig spannender ausmalt, als er sich in der Realität gestaltet. Lediglich der umgestoßene Becher Wasser meines Nachbarn entspricht der Wahrheit und hat sich wirklich auf meinen Sitz ergossen. Jetzt wo ich diese Zeilen geschrieben habe, dürfte aber auch der letzte Tropfen bereits verdunstet sein.

Dienstag, August 30, 2005

Smog

Ich habe gerade Mittagspause und soeben ein Foto von der Gegend um das Bankgebäude in dem ich arbeite geknipst. Es handelt sich um ein für Peking typisches gehobenes Wohngebiet:
Es ist heute nicht etwas ein besonders nebliger Tag, sondern über Peking hängt stets eine dichte Dunstglocke, die aus den Abgasen der Autos und Fabriken der Stadt gespeist wird.
Der Fahrt mit dem Taxi zur Arbeit dauert am Morgen dementsprechend etwa eine Stunde, obwohl es nur wenige Kilometer sind. Ich habe schon überlegt, einen Teil der Strecke mit der U-Bahn abzukürzen, aber leider liegen die Stationen sehr ungünstig. Das U-Bahnnetz Pekings ist auch sehr dürftig, wenn man die Größe der Stadt berücksichtigt. Aus Konstengründen wird wohl aber ein weiterer Ausbau nicht geplant, sondern man versucht sich mit immer breiteren Straßen zu behelfen.
Morgens stehen an den breiten Straßen etlich uniformierte Hilfskräfte, die versuchen, das Verkehrschaos durch manuelles Eingreifen zu entschärfen, aber mit mäßigem Erfolg. Laut Michael Li hat die Regierung private Firmen dazu verpflichtet, diese Hilfskräfte kostenlos zu stellen, denn die Firmen haben ja auch ein Interesse daran, daß die Arbeiter zur Arbeit kommen können.

Good food, good mood

Gestern abend bin ich mit meinem programmierenden Kollegen Gang Duan Essen gegangen. Er hat sich schlüssigerweise den ausländischen Namen Wolfgang ausgesucht hat wie ich seiner email-Adresse entnehmen konnte, verheimlicht diesen aber.
Nichtsdestotrotz hat er mich in ein hervorragendes Restaurant ausgeführt, wo wir original chinesische Küche genossen haben. Wir bekamen einen Feuertopf auf den Tisch gestellt, der aber im Gegensatz zu den Hotpot-Abenden in Cheng Du nicht mit scharfer Suppe gefüllt war, sondern nur mit kochendem Wasser.
Gang Duan bestellte frisches hauchdünn geschnittenes Lammfleisch, sowie Tofu, eingelegte Knoblauchzehen und allerlei Pilze, die wir dann in das Wasser zum garen werfen konnten.
Dazu gab es eine hervorragende Soße, deren Rezept die Köche des Restaurants hüten wie einen Schatz.
Ich werde versuchen, die Adresse und den Namen des Restaurants herauszufinden, denn ich kann es nur allen Peking-Reisenden wärmstens ans Herz legen.

Schiller's...

...heißt hier eine Kneipe, in der sich vor allem Deutsche treffen. Ich habe mich am Sonntag abend noch in's Schiller's II begeben, da man dort sehr nett auf der Terasse am Kanal sitzen kann und diese Kneipe etwas abseits liegt.
Dort gibt es nicht nur Weizenbier, sondern eigentlich alles was man auch bei uns in einer Kneipe bestellen kann. Am Nebentisch hatte sich auch schon eine Reisegruppe aus Bayern breit gemacht und nach kurzer Zeit kam eine Dame an jeden Tisch, um offensichtlich illegale DVD-Kopien und CD's zu verkaufen. Die Bedienung war sehr höflich und hat gleich noch die Beleuchtung verbessert, damit man die Covers besser erkennen konnte.
Mir scheint, als gäbe es keine illegalen DVD's mehr in offiziellen Läden zu kaufen, nachdem wohl die amerikanische Regierung des öfteren Protest angemeldet hatte. Jetzt kommen also die Verkäufer direkt zum Tisch, auch nicht schlecht. Eine DVD kostet 7 Yuan, also ungefähr 70 Cent. Vielleicht kaufe ich mir mal eine, um zu sehen, ob die brauchbar sind oder nur heimlich im Kino abgefilmte Fassungen enthalten.

Minigolf

Wer denkt, Minigolfplätze seien lediglich in Deutschland zu finden, der täuscht sich gewaltig. Auch in Peking habe ich einen schönen Platz entdeckt:
Dieser Platz liegt inmitten eines schönen Parks unweit meines Hotels, in der Nähe des südlichen Botschaftsviertels.
Dieser Park ist zwar bei weitem nicht so groß wie der Behai-Park neben dem Kaisertempel, aber er hat auch einen kleinen künstlichen See und eben einen Minigolfplatz zu bieten.

In den chinesischen Parks wimmelt es nur so vor musikalisch ambitionierten Chinesen, die dort verschiedene Instrumente oder mit Vorliebe auch klassischen Gesang üben.
Wer erkennt denn zum Beispiel diese bekannte Melodie?

Montag, August 29, 2005

Wienerwald

In der Osterstraße gibt es einen neuen Wienerwald und auch in Peking ist das Huhn neben der Ente eine begehrte Speise.
Hier kann man sozusagen die chinesische Variante des Wienerwald erblicken:

Bekleidungszwang?

Die chinesische Regierung versucht Peking für die Olympischen Spiele 2008 fit zu machen. Teil des Programms ist es, der Bevölkerung nahe zu legen, den Oberkörper zumindest mit einem T-Shirt zu bekleiden.
Bisher lässt der Erfolg noch auf sich warten, wie das folgende Bild dokumentiert:

Die Stadt der Enten und Suppen

Wenn ihr diese Zeilen lesen könnt, dann habe ich es geschafft, den „verbotenen“ Internetzugang der Bank zu nutzen, um das neueste aus aller Welt zu berichten.
Mich hat es, wie es die knobelbegabten unter euch sicherlich schon anhand der diversen Hinweise in der Überschrift erraten haben dürften, nach Peking verschlagen.
Der Flug mit British Airways sollte an sich recht angenehm werden, da man mir für diese Reise sogar Business Class spendiert hatte. Doch bereits als ich mich um halb sechs morgens zum Flughafen gequält hatte und das Abflugterminal betrat, stimmte mich Nachdenklich, dass der Schalter von BA nicht besetzt war. Es stellte sich alsbald heraus, dass mein erster Flieger von Hamburg nach London es am Vorabend nicht geschafft hatte, vor dem nächtlichen Flugverbot in Hamburg zu landen, so dass ich kurzerhand in eine Lufthansamaschine umbuchen musste. Gleich Schicksal teilten selbstredend die übrigen Passagiere der Maschine, so dass es dann auch recht gemütlich wurde.
Durch die Umbuchung konnte auch mein Gepäck nicht weitergeleitet werden, so dass ich mich im London von Terminal 2 mit der Laptoptasche und meinem schönen Rollkoffer nach Termin 4 auf den Weg machen musste. Und all denen, die diesen weitläufigen Flughafen noch nie selbst besuchen durften sei gesagt, dass es dabei nicht nur gilt, etliche Kilometer fußläufig zurückzulegen, sondern ebenso eine kleine Strecke mit dem Zug.
Angekommen wollte ich meinen lang gehegten Wunsch verwirklichen, mich in der Business Lounge nach Strich und Faden mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnen zu lassen. Doch auch daraus wurde nichts, denn wie mir die höfliche Dame am Einlass mitteilte, war der Gastronomieservice für die Lounge und das Essen an Bord im Streik. Wie ich messerscharf kombinierte, musste ich also nicht nur in der Lounge, sondern auch auf meinem Flug nach Peking auf fürstliche Bewirtung verzichten. Somit stellte sich der Flug mit Lufthansa im Nachhinein also doch in dieser Beziehung als Glücksfall heraus, denn dort hatte ich zumindest noch ein Frühstück bekommen.
Ich habe mir dann den Flug damit versüßt, meinen Sessel an Bord ständig von einem gewöhnlichen Sitz in ein Bett zu verwandeln und umgekehrt – denn das ist heutzutage möglich, Wahnsinn. Sitz, Bett, Sitz, Bett, Sitz, Bett, Sitz, Bett, Sitz, Bett, Sitz, Bett usw. Die zehn Stunden vergingen wie im Flug…
In Peking angekommen, versuchte man mir am Flughafen ein Taxi für die Fahrt zum Hotel für 400 Yuan anzudrehen. Ähnliches war mir in Cheng Du auch schon aufgefallen: Diese kleinen Chinesen können ganz schön biestig sein. Ich musste also wohl oder übel meinen Chef um sechs Uhr morgens aus dem Bett klingeln, um mich nach dem üblichen Tarif zu erkundigen: 120 Yuan. Na also. Los ging es über die Flughafenautobahn Richtung Innenstadt, vorbei an einer Betonwüste wie von Stalin persönlich diktiert.
Das Hotel sah sehr merkwürdig aus und als ich es betrat, war auch von einer Rezeption oder ähnlichem nichts zu sehen. Es stellte sich aber heraus, dass der Taxifahrer mich am Hintereingang abgesetzt hatte, so dass ich dann doch noch zur Rezeption fand, wo man mir mitteilte, mein Zimmer sei noch nicht hergerichtet. Nicht so schlimm dachte ich mir, denn ich wollte eigentlich nur mein Gepäck dort abstellen und kurz duschen, weil die insgesamt 18 (+6) Stunden der Fliegerei mich als ein Wrack in Kleidung zurückgelassen hatten.
Den Gedanken an das Duschen habe ich dann aber ganz schnell wieder verworfen, nachdem ich das angebliche Nichtraucherzimmer betrat. Dieses roch nicht nur nach einer abartigen Mischung von Zigaretten und undefinierbaren Körpergerüchen, sondern sah auch dementsprechend aus:
Dieses Bild gibt es nicht wirklich wieder, also glaubt mir einfach. Ich benutze jetzt auch zum ersten Mal diese komischen weißen Einweg-Hausschuhe die es hier immer gibt, weil der Teppich überall von sehr seltsamen Flecken übersäht ist.
Im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich für jeden Zimmerservice wirklich ein Traumgast bin, weil ich mich immer eher wie zu Besuch im Hotel fühle und alles heil lasse.
Also bin ich gleich wieder ungeduscht runter zum Frühstück, denn dort sollte ich mich ja um acht Uhr mit meinem Chef Michal Li treffen. Die Chinesen haben zumeist einen englischen Wunschnamen, damit es die Ausländer nicht so schwer haben.
Zum Glück konnte ich um halb neun dann doch noch kurz unter die Dusche, bevor es dann zur Arbeit ging.
Der Arbeitstag war zum Glück sehr entspannt, meine Aufgabe wurde mit dem Wort „Standby“ betitelt, was also so etwas bedeutet wie: Herumsitzen und warten, bis jemandem einfällt, was ich vielleicht tun könnte. Es fiel aber niemandem etwas ein.
Ich erledigte meinen Job wie immer aufs allerbeste, mehr wäre aber auch von meiner Seite nicht drin gewesen, nach zwei Nächten quasi ohne Schlaf. Also um 18 Uhr ab ins Wochenende.
Obwohl ich wie immer nur ein paar Tage vorher Bescheid bekommen hatte, dass ich wieder in die weite Welt hinaus solle, habe ich mir vor der Abreise noch schnell einen Peking-Reiseführer erworben und diesen am Samstag sogleich ausführlich genutzt: Nachdem ich mein Hotel auf dem Stadtplan im Führer gefunden hatte, habe ich mich entschlossen Peking zu Fuß zu erkunden. Ich wollte eigentlich die großen Straßen meiden und bin gleich hinter dem Hotel in ein paar kleine Gassen geraten, in denen gerade Markt war.
Das Markttreiben selbst habe ich nicht Fotografiert, irgendwie kommt man sich doch etwas komisch vor, wenn man die ärmsten der armen Chinesen dabei fotografiert, wie sie am Boden sitzen und versuchen, wenigstens die eine oder andere Hülsenfrucht verkaufen zu können, um den Nachwuchs versorgen zu können.
Um mich nicht gänzlich zu verlaufen und mir dieses Elend nicht weiter ansehen zu müssen, bin ich in der Folge nur noch die ganz großen Prachtstraßen entlang flaniert.
Nach ein paar Ecken wurde ich von drei blutjungen Kunststudentinnen angesprochen, die mir ihre Abschlussausstellung zeigen wollten. Obwohl eine der Chinesinnen sehr gut Englisch sprach, kam mir das Ganze gleich etwas spanisch vor.
Da ich aber ohnehin nichts Konkretes vorhatte, ließ ich mich von den Damen zu einem entfernten Hochhaus in den neunten Stock führen, wo sie mir allerlei kitschige chinesische Kunst zeigten. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass sie nun endlich versuchen würden, mir das ein oder andere Bild anzudrehen… und so kam es.
Ich hatte mir schon die passende Ausrede überlegt, nämlich dass ich gar nicht genug Geld dabei hätte, aber letztendlich überredeten sie mich, ein Bild schon mal anzuzahlen, was ich dann auch tat. So opferte ich 20 Yuan für die Kunst im Allgemeinen und die drei Studentinnen im Speziellen, die aber sicherlich von ihrer Chefin nichts von dem Geld abbekommen haben, sondern gleich wieder auf die Strasse geschickt wurden. Bis zuletzt habe ich allerdings nicht herausfinden können, ob die Bilder wirklich von denen gemalt worden sind, oder ob es sich zum Beispiel lediglich um Kopien aus irgendwelchen Büchern handelt, wie ich stark vermute.
Gestärkt durch den kühlen Ausstellungsraum machte ich mich weiter auf den Weg durch die brütende Mittagshitze in Richtung "verbotene Stadt", so heißen die kaiserlichen Tempelanlagen.
Ich hatte es eigentlich gar nicht so sehr auf den Tempel an sich abgesehen, sondern vielmehr auf die Parkanlagen hinter dem Tempel.
Es scheint allgemein ein sehr beliebtes Motiv zu sein, sich mit dem chinesischen Führer vor dem kaiserlichen Tempel ablichten zu lassen.
Gegenüber ist übrigens der Platz des himmlischen Friedens, der an diesem Samstag wirklich friedlich war:
Nachdem ich mich ein mickriges Stück in die verbotene Stadt hineingekämpft hatte, hielt ich den Menschenmassen nicht weiter stand und machte mich auf den Weg in Richtung Park.
Leider habe ich aus unerfindlichen Gründen den Südeingang des Parks verpasst, so dass ich einen klitzekleinen Umweg von etwa drei Kilometern machen musste, um dann den Park durch das Westtor zu betreten.
Der Park verfügt wie ihr seht über einen großen See, auf dem man mit allerlei Booten schippern kann.
Im Norden des Sees gibt es einige Pavillons, in denen von Einheimischen Live-Musik dargeboten wird.
Nördlich des Parks liegt die neue Kneipengegend, die sich um die drei Seen in der Stadt windet. Wer sich nicht zu schade ist, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, kann auch diese Seen per Boot erkunden:
Zwischen den ersten beiden Seen befindet sich eine Marmorbrücke und gleich daneben beginnt quasi das Schanzenviertel Pekings. Ich bin gleich in die erste Kneipe eingekehrt, von der man einen schönen Blick über den See hatte.
Die Einrichtung erinnert an die Kolonialzeiten und die Musik war auch vom allerfeinsten.
Endgültig überzeugte mich der Laden, als die Bedienung mit einer selbst gebrannten CD zum Nebentisch ging und ich darauf den Schriftzug „Jeff Buckley – Grace“ erkennen konnte.
Auf dem Bild erkennt man in der rechten Ecke einen gealterten Punk aus England, der sich um die musikalische Früherziehung einer chinesischen Undergroundband kümmerte. Die beiden Jungs von der Band tranken allerdings nur Cola, während er abwechselnd wilde Geschichten aus seinem Leben preisgab, Cocktails trank und dementsprechend ungehemmt zur Musik von Velvet Underground mitsang.
Hier kann man diese schöne Kneipe noch einmal von außen erblicken:
Ich werde auf jeden Fall noch einmal dort in die Gegen gehen, denn ich habe später noch allerlei Lokale entdeckt, bei denen man auch hervorragend draußen auf einem Sofa mit Seeblick die Zeit verstreichen lassen kann.
Am Sonntag habe ich nach einem ausführlichen Frühstück den zweiten im Peking-Führer gepriesenen Stadtspaziergang gemacht, mich aber sogleich verlaufen und daher auf eigene Faust die kleinen Gassen und Marktstraßen erkundet, die es in unmittelbarer Nähe zum Platz des himmlischen Friedens noch gibt.
Es ist hier in der Zwischenzeit derartig heiß und schwül geworden, dass man aus allen Poren schwitzt. Entlang dem Gurt meiner Umhängtasche hatte sich recht bald eine Salzkruste entwickelt, so dass ich mach nach ein paar Stunden zurück zum Hotel begeben habe.
Gelegentlich findet man, wie auf dem Bild zu sehen, in den noch erhaltenen alten Gassen Pekings auch illustrierte Anleitungen, wie man dem Gemeinwohl dienlich sein kann.
Gestern hatte ich mich nur von einem Bigmac-Menü bei McDonalds sowie einer Schüssel Erdnüssen ernährt, deshalb wollte ich den heutigen Sonntag ganz im Zeichen guten Essens verbringen. Zum Mittag bin ich im hoteleigenen Restaurant eingekehrt und habe mir ein paar undefinierbare Teigtaschen und Shrimps in Kokossoße bestellt. Obwohl ich mich ja für halbwegs geschickt mit den Essstäbchen halte, kam schon nach kurzer Zeit die Bedienung unaufgefordert mit Messer und Gabel angelaufen, weil sie mich wohl beim Öffnen der Shrimps beobachtet hatte.

Sonntag, August 14, 2005

DoS oder bin ich jetzt berühmt?

Wie ihr sicherlich gemerkt habt, war mein Rechner die letzten Wochen nicht erreichtbar. Wurde von meinem Provider einfach abgedreht mit der Begründung, es hätte eine Denial of Service Attacke stattgefunden.

Mir wäre es natürlich lieber gewesen, wenn mein Weblog wegen unglaublicher Beliebtheit das Rechenzentrum von Strato lahmgelegt hätte.
Aber so blieb mir nichts übrig, als den Server komplett neuzuinstallieren.
Ich werde jetzt also versuchen, wengistens einige der Ereignisse der letzten Wochen noch anhand meiner lückenhaften Erinnerungen für euch zu rekonstruieren.

Sonntag, Juni 19, 2005

Cheng Du

Nachdem ich bereits gestern morgen um elf Uhr vormittags das Flugzeug bestiegen habe, sitze ich nun wohlbehalten aber hundemüde in meinem Hotelzimmer in Cheng Du. Eine nette Dame hat mir soeben meine IP-Adresse verraten und anstandslos in mein deutsches Windows eingetragen und so kann ich nun nach Herzenslust im Internet herumsurfen und eben auch schreiben.
Ich war schon sehr gespannt auf das Hotel, denn ich hatte ja S1 gebeten mir ein ruhiges Zimmer zu besorgen, alles andere sei zweitranging.
Und nun seht selbst was dabei herausgekommen ist (Blick aus meinem Hotelfenster):

Dienstag, Juni 14, 2005

Air China

Am Samstag soll ich nach China und dort ein Projekt für eine chinesische Bank begutachten.
Da ich ja dieses Jahr im Zeichen der Business-Class verlebe (siehe Aqaba), wollte ich auch für den Flug nach China in der Business-Class residieren. Statt dessen wurde mir ein Flug mit "Air China" gebucht, deren letzter Flugzeugverlust" zwar schon zwei Jahre zurückliegt, mir aber trotzdem der bloße Gedanke Angstschweiß auf die Stirne trieb, Mädchen wie ich bin.
Habe mich geweigert und gegen nun einen Flug mit BA. Lediglich in China muss ich mit Air China fliegen.
Visumsunterlagen (inklusive meines Reisepasses) habe ich auch schon abgeschickt und hoffe, dass alles bis Freitag wieder hier ist. Na mal sehen.

Wieder in Hamburg!

Bereits am Samstag bin ich wohlbehalten in Hamburg eingetroffen, nach einem kleinen Zwischenstop in London/Heathrow, wo ich den teuersten Burger meines Lebens erstanden habe: 10 Euro (habe zwar ein paar englische Münzen als Wechselgeld bekommen, aber was soll man denn damit anfangen??).
Es ist schon sehr erstaunlich, wie ruhig und grün Hamburg ist, wenn man aus Amman zurückkehrt. Bin auch gleich früh zu Bett und habe verdammt gut geschlafen nach all den Nächten an der Schnellstraße...
Am Montag ging's allerdings gleich wieder nach Hannover...

...zum AWD, dort sollte ich meine Telefonanlagenanbindung im Clusterbetrieb testen. Ich habe für die Anbindung eine Flash-basierte Server-Client-Kommunikation gebastelt, damit zum Beispiel bei eingehenden Anrufen sofort etwas in der HTML-Oberfläche passiert.
Leider muss das Ganze auch im Clusterbetrieb inklusive Load-Balancing per Apache funktionieren und da macht mein pfiffiger Flash-Port allerlei zicken. Um das Weblogic-Plugin zu überlisten, habe ich schon die Kommunikation als Http-Requests getarnt, aber irgendetwas läuft wohl immer noch nicht ganz rund.
Also: Rein in den ICE nach Hannover und wie immer ein Rührei mit Bacon plus Kaffee im Speisewagen verdrückt. Netter Nebeneffekt der Hannoverreisen ist, dass ich endlich einmal dazu komme, meine Zeit(ung) zu lesen, die ja sonst regelmäßig ungelesen in's Altpapier wandert.
Beim AWD habe ich mich dann auch gleich zu meinen kleinen Testtelefonen begeben, die für mich dort aufgebaut wurden:

Leider stellte sich recht bald heraus, dass die notwendige Datenbank von einem übereifrigen Mitarbeiter in der Zwischenzeit vernichtet worden war. So ging es dann bereits am Nachmittag zurück gen Hamburg...

Übrigens kann ich mich immer noch darüber amüsieren, dass sich AWD selbst als Finanzoptimierer bezeichnet und auch bereits am Zentralgehäuse damit prahlt, wie viel Geld der Kunden bereits "optimiert" worden sei:

Als Programmierer kennt man diesen Begriff ja eher aus dem Kontext, dass Dateien oder ähnliches auf ein möglichst winziges Maß geschrumpft werden :-)

Donnerstag, Juni 09, 2005

Krieg der Sterne

Ich war gestern im Kino, um mit Mark den neuesten Teil von Star Wars zu sehen.
Der Film lief in einem Kino in der "Mecca Mall", der Name ist hier Programm: Des Arabers heiligste Staette ist und bleibt doch der Konsumtempel. Sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Amerika eigentlich pfui ist. Ein Einkaufszentrum von derartigen Ausmassen gibt es bei uns nicht, lediglich in Singapur habe ich bisher aehnliches gesehen.
Dort gibt es eine erkleckliche Anzahl an Garkuechen verschiedener Nationalitaeten und eben ein Kino.
Mit je einer Tuete Popcorn und einer Cola ausgestattet ging es dann hinein in's Kinovergnuegen. Wir waren schon etwas spaet dran, die vermeintlichen Filmvorschauen liefen schon. Nach einer Weile stellte Mark fest, dass es sich aber keineswegs um eine Vorschau, sondern definitiv um den falschen Film handelte und wir uns tatsaechlich im falschen Kinosaal einquartiert hatten. Wir sind flugs in Kino 5 umgesiedelt, wo Star Wars schon begonnen hatte.
Was soll man zu dem Film sagen? Die Computeranimationen wirken selbst 30 Jahre nach bei weitem nicht so natuerlich wie die alten Charaktere und vor allem wirkt alles wie ein billiger 3D-Egoshooter. Die ganze Zeit fliegt eine Unmenge an durch Ctrl-C Ctrl-V erzeugter Muell durch das Bild. Letztlich ist das ganze wie schon die anderen neuen Teile nicht mit der alten Star Wars Trilogie vergleichbar. Immerhin wurde dieses Mal auf Jajabinx oder wie der dumme Hase aus dem ersten Teil hiess, verzichtet.
Als besonderer Leckerbissen wurde der Film auf einem in die Jahre gekommenen Projektor dargeboten, so dass die Filmmusik eierte wie auf einem uralten Kassettenrekorder. Dazu Handygeklingel und Telefonate der Mitsehenden, von Schamesroete keine Spur...

Dienstag, Juni 07, 2005

Sushi

Gestern abend gab es einen besonderen kulinarischen Leckerbissen:
Wir sind in das japanische Restaurant im Le Meridien gegangen und haben uns dort fuerstlich bekochen lassen.
Als Vorspeise gab es Sushi und als Hauptgang wurde dann direkt am Platz eine Kochperformance vom Feinsten dargeboten:

Es war irgendetwas zwischen Kleinkunst, rhythmischem Getrommel (mit den Gewuerzdosen) und Nahrungszubereitung.
Am besten hat mir gefallen, dass der Koch den Muell (leere Eierschalen und so weiter) in die Luft geschleudert und mit seiner Kochmuetze aufgefangen hat. Dafuer ist die also da!
Anschliessend haben wir noch ein paar Flaschen Wein geleert und primaer den zum Teil wirklich ganz amuesanten Geschichten von Thomas gelauscht.

Ich weiss jetzt zum Beispiel viele peinliche Details aus dem Leben von Emir Scheich Isa von Bahrain. Soll ein ganz dufter Typ sein:
Thomas war zusammen mit ihm auf einer Party und musste ihn am Ende nach Hause fahren, weil der Scheich nicht mehr fahrfaehig war. Am naechsten Tag kam ein Bote und ueberbrachet ihm als Dank den Ferrari samt Schluessel, damit Thomas fuer die Dauer seines Aufenthalts in Bahrain nach Herzenslust herumduesen konnte.

Montag, Juni 06, 2005

Unterhaltungsprogramm

Aqaba bietet nicht nur Erholung fuer geschwaechte Programmierer, sondern auch ein ausgefuchstes Unterhaltungsprogramm fuer die jung gebliebenen unter uns:

Pizza Hut?

Die Polizei versucht sich auch hier staendig in innovativen Ideen, um sich neue Geldquellen zu erschliessen. In Aqaba erwischte ich sie bei dem Versuch, einer grossen internationalen Pizzakette Konkurrenz zu machen:

"Geh zu ihr"...

..."und lass Deinen Drachen steigen" - so sangen die Puhdys ja bereits Anfang der 70er Jahre.
Frueh uebt sich, denkt sich auch dieser kleine Jordanier auf dem Parkplatz vor unserer Wohnung:

Endlich...

...habe ich das Internet gefunden! Viele sprechen heutzutage darvon, aber kaum einer weiss, wo und es sich gerade aufhaelt. Hier ein erster kleiner Hinweis:

Aqaba

Ueber das Wochenende sind Mark und ich nach Aqaba gefahren, der einzigen Stadt in Jordanien, die Zugang zum roten Meer besitzt. Dementsprechend befindet sich die Stadt ganz im Sueden des Landes, etwa 350 Kilometer von Amman entfernt.
Wir wollten uns erst ein Auto mieten, was sich aber sehr schnell als ein unbezahlbares Unterfangen herausgestellt hat: Fuer die zwei Tage haette man so etwa 350 Euro zahlen muessen, ganz abgesehen von der Schwierigkeit, die diversen Kreisverkehre lebend zu passieren.
Also sind wir mit dem Bus gefahren, da zahlt man fuer eine Strecke nur knapp fuenf Euro. Allerdings muss man verdammt frueh aufstehen, denn der erste Bus faehrt um sieben an der Busstation ab und dort muss man ja auch erst einmal hinkommen.
Wir sind dann so gegen halb sechs aufgestanden und mit unserem Krempel auf die Strasse hinaus. Selten erlebt man Amman in einem derart friedlichen und fast verschlafenen Zustand.
Nach einiger Zeit erbarmte sich ein Taxi uns aufzusammeln und zur Busstation zu befoerdern.

Mark hatte netterweise schon am Vortag unsere Karten reserviert. Da der Bus bis auf den letzten Platz besetzt war nehme ich an, dass wir ansonsten auch keine Chance gehabe haetten, noch einen Platz zu ergattern. Nachdem Mark die Karten erworben hatte...

...konnte es auch schon losgehen bzw. losfahren.
Schon bald stellte sich der grosse Vorteil unserer fruehen Reisezeit heraus: Die meiste Zeit der Fahrt haben wir schnarchend oder daemmernd verbracht, nur unterbrochen von den gelegentlichen Stopps des Busses.
Bei dem ersten Halt konnte ich eine verschleierte Frau sehen, die die beiden Fussmatten aus dem Busklo draussen zu entwaessern (bzw. enturinieren) versuchte. Entweder muss da etwas mit der Technik im Busklobereich durcheinander geraten sein oder vielleicht hatte sie auch ein Kind dabei, das hier als Verursacher eine Rolle gespielt hat.
Der zweite Halt war dann auch schon die Grenzkontrolle. Aqaba liegt in einer Freihandelszone und daher wird Ein- und Ausreise mehr oder weniger Streng kontrolliert.
Kurz nach der Passkontrolle erreichten wir dann auch schon Aqaba.

Unsere Herberge sollte das Radisson SAS sein und schon vor Betreten des uns zugewiesenen Schlafplatzes wurde ich wieder auf mein Schicksal aufmerksam gemacht:

Der Saal war aber nicht nur schick...

...sondern hatte auch noch Balkon mit Ausblick ueber die Hotelanlage zu bieten:

Um in Aqaba an's Meer zu gelangen, muss man sich in eines dieser Luxushotels einmieten.

Es gibt wohl auch irgendwo einen oeffentlichen Strand, aber der liegt so weit ausserhalb der Stadt, dass man nur mit einem Taxi dort hingelangt.
Freitag und Samstag haben wir mehr oder weniger am Strand herumgegammelt. Sehr angenehm.
Ich habe ein wenig im Meer herumgeplanscht, Musik gehoert...

...und in den Himmer geschaut.

Als Urlaubsform ist das natuerlich die Hoechststrafe, aber so fuer ein Wochenende will ich mich gar nicht beschweren.
Am Abend haben wir uns dann ein paar Getraenke in der Strandbar gegoennt und dem Sonnenuntergang zugesehen.

Abends haben wir noch ein Restaurant und ein paar Lokale der Stadt aufgesucht. Samstag dann wieder Strand und eine Besichtigung einer Ausgrabungsstaette...

Um fuenf ging es dann zurueck nach Amman, diesmal in einem abgetakelten Bus, der wohl mal irgendwann aus Deutschland importiert worden ist, wie ich mit messerscharfem Verstand anhand der deutschen Anzeigetafel fuer das (nicht mehr vorhandene) Busklo kombiniert habe.

Sonntag, Juni 05, 2005

Geschaeftsessen

Am Donnerstag Abend hatten wir ein echtes Geschaeftsessen:
Wir waren mit Thomas, dem Projektleiter von Seiten der Bank, und einem seiner Schergen beim indischen Restaurant im Intercontinental. Geschaeftsessen funktioniert so: Jeder versucht ein paar ausgelutschte Witze zum Besten zu geben und erzaehlt den ein oder anderen Schwank aus dem Berufsleben. Bevorzugt werden die wilden Eskapaden in Bezug auf Alkohol- und Damenkonsum feilgeboten. Der jordanische Scherge gab aus verstaendlichen Gruenden nur ein paar Witze zum Besten. Ich habe mich wie immer auf das Essen konzentriert und versucht herauszubekommen, was die Leute eigentlich dazu treibt, ein derartiges Leben zu fuehren.
Thomas kommt urspruenglich aus Irland und hat die letzten Jahrzehnte als Wanderarbeiter zugebracht. Die Bank hat ihn fuer unser Projekt fuer ein Jahr angeheuert.
Seine Karriere als Wanderarbeiter begann damit, dass er von einer Firma abgeworben wurde, die ihn fuer ein Projekt im Iran haben wollte. Man bot ihm das achtfache Gehalt und dieses obendrein steuerfrei, so dass er zusagte.
Die Flucht des Schah und damit einhergehendes Chaos machten dem Projekt dann aber den Garaus. Die Einheimischen dort haben wohl zunaechst versucht, soviel Benzin wie moeglich in Gefaessen aller Art zu bunkern. Thomas berichtete von einem Mann, der vor seinem Haus mit zwei Plastiktueten voll Benzin vorbeischlenderte - und das mit Kippe im Mund.
Um nicht doch noch steuerpflichtig zu werden, musste er von nun an weiterhin Jobs im Ausland suchen und ist wohl beinahe in jedem Land gewesen - und nun eben auch in Jordanien.
Ganz interessant zu sehen, wohin das alles fuehrt, wenn man nicht aufpasst...
Im Dezember hatte er hier im Buero einen Schlaganfall und wurde in's oertliche Krankenhaus gebracht. Obwohl er laut Mark die ersten Tag wohl nur noch einen Arm bewegen konnte, ist er jetzt schon wieder ganz gut beieinander, allerdings spricht er sehr langsam und stotternd. Nach nur sechs Wochen Auszeit war er uebrigens wieder im Buero.

Donnerstag, Juni 02, 2005

Wooden

Heute bin ich durch die pralle Mittagssonne in das andere Ende von "Al Shmeisani" gelaufen, dem Stadtteil in dem die Bank, sowie das Le Meridien und das Marriot liegen. Dieser Stadtteil ist einer der aeltesten Ammans, gleich nach dem eigentlichen Stadtkern und auch einer der begehrtesten.
Es gibt sogar eine Strasse, in der man zwischen den beiden Fahrspuren einen Abschnitt fuer Fussgaenger angelegt hat:

Dort fuehren gegen Abend die Jugendlichen ihre Skateboards gassi und allerlei Geschaefte gibt es dort auch, zum Beispiel einen Computerladen mit dem tollen Namen "Spassverzeichnis".

Mich fuehrte mein Weg allerdings direkt zum "Wooden Restaurant", einem angeblich italienischen Restaurant. Mich beschleicht dort hingegen regelmaessig das Gefuehl, in einer Zeitreise in die finstersten 80er versetzt worden zu sein. Wahrscheinlich liegt das an der Musik, dort lauft "Mood FM", ein lokaler Sender, der einen bunten Mix von Deep Purple, Doors und dergleichen mehr zu bieten hat. Heute wurde ich mit Dire Straits verwoehnt.
Aus dem Fenster konnte ich das fuer Amman typische "Deadlock"-Problem des Autoverkehrs studieren. Obwohl man oft minutenlang keinen Zentimeter vorwaerts kommt, wuerde hier niemand auf die Idee kommen, eine Distanz von sagen wir 500 Metern zu Fuss zurueckzulegen. Immer muss sofort ein Taxi oder das eigene Auto her.
Der Mann am Bildrand mit dem "Jordaniertuch" (rot/weiss... nicht zu verwechseln mit dem Palaestinensertuch, denn das ist schwarz/weiss) hat die Gunst der Stunde genutzt und erstmal einen spontanen Teeverkauf gestartet.

Mutig wie ich bin, habe ich das Essen von der Tagestafel gewaehlt...

...und habe es nicht bereut. Auch wenn die Mischung von Rindfleisch mit Champignons und Nudeln mit Knoblauchoel etwas ungewoehnlich ist, es hat ausgezeichnet geschmeckt und war zudem noch lieblich angerichtet:

Leider gibt es im "Wooden" keinen Alkohol, sonst waere es ein prima Laden, um dort einen Abend zu verbringen und sich ein wenig wie in einer Kneipe zu Schulzeiten zu fuehlen.
Auf dem Rueckweg bin ich meinen Lieblingsweg gegangen, der durch eine Strasse fuehrt, die ich sehr gerne mag, weil es dort so schoen gruen ist:

In dieser Strasse habe ich vor laengerem bereits ein schoenes Appartment entdeckt, das zu vermieten ist:

Deshalb hatte ich auch damals Mark gebeten, er moege mir Bescheid sagen, falls er wirklich eine Wohnung anmieten will, ich wuesste da was. Leider hat er es vorgezogen, das schoene Appartment an der Schnellstrasse zu beziehen wie Ihr ja bereits wisst.